Manfred Pentz hatte niemand auf der Rechnung in jenen hektischen Tagen im Januar 2014, als Schwarz-Grün bereits beschlossene Sache war, aber noch wild über Personalien spekuliert wurde. Gesucht wurde unter anderem ein neuer Generalsekretär für die Hessen-CDU, nachdem klar war, dass der bisherige Amtsinhaber Peter Beuth als Lohn für einen aus CDU-Sicht gelungenen Landtagswahlkampf Innenminister werden würde.

Da kam der CDU-Landesvorsitzende und weiter amtierende Ministerpräsident Volker Bouffier zur Überraschung vieler und vor allem auch Pentz’ selbst auf den damals 33 Jahre alten Abgeordneten aus Groß-Zimmern. „Herr Pentz, ich werde Sie morgen früh zum Generalsekretär berufen“, schildert Pentz den nächtlichen Anruf. Er sei „kompetent und fleißig“, begründete Bouffier seine Auswahl so schlicht wie vielsagend. Er trat das Amt sofort an, offiziell gewählt wurde er am 10. Mai.

Pentz war zu dieser Zeit erst dreieinhalb Jahre im hessischen Landtag und hatte aber doch schon auf sich aufmerksam gemacht. Seinen Einzug verdankte er dem Rückzug der früheren Sozial- und Umweltministerin Silke Lautenschläger. Als diese in den Vorstand einer Krankenkasse wechselte, rückte Pentz als Ersatzkandidat im Oktober 2010 ins Parlament nach.

Finanzpolitiker

2012 machte er dann den ersten Karriereschritt in der Landtagsfraktion: „Ich habe die Kandidatur zum finanzpolitischen Sprecher gewagt“, berichtet Pentz mit verschmitztem Lächeln – und gewonnen. Gewagt? Das erinnert an die damals immer wiederkehrenden Gerüchte, junge Abgeordnete dränge es in der Union nach vorne, würden aber von der Spitze klein gehalten. Das will Pentz so aber nicht verstanden wissen. Er sei damals gegen den alten Recken Ulrich Caspar, Diplom-Betriebswirt aus Frankfurt, angetreten, deshalb die Formulierung „gewagt“. Pentz fühlte sich nach eigenen Worten nicht benachteiligt innerhalb der Fraktion. Der damalige Fraktionschef Christean Wagner habe ihn doch auch schon in fünf Ausschüsse gesetzt.

Finanzpolitischer Sprecher – da hatte er sofort das Riesenthema der damaligen Zeit in der Hand: das Ausführungsgesetz zur Schuldenbremse. Geholfen haben mag Pentz dabei seine berufliche Herkunft. Als gelernter Versicherungskaufmann und studierter Versicherungsfachwirt konnte er mit Zahlen umgehen. Bei der Helvetia Versicherung in Frankfurt hatte er es bereits bis zum Abteilungsleiter gebracht, bevor er in die Politik wechselte.

Als Hauptberuf muss man korrekt sagen. Er war bereits zuvor auf ehrenamtlicher Basis Gemeindevertreter in seinem Heimatort Groß-Zimmern und Kreistagsabgeordneter im Kreis Darmstadt-Dieburg. Schon mit 14 Jahren trat er in die Junge Union ein, mit 16 dann in die Mutterpartei CDU. Und das als Sohn eines Sozialdemokraten.

War das jugendliches Revoluzzertum, Aufbegehren gegen das, was die Alten vorlebten? „Nein“, sagt Pentz, sein Vater sei zwar mehr als 50 Jahre SPD-Mitglied, „aber doch eher unpolitisch“. Passives Mitglied eben. Er sei in der Schülervertretung aktiv gewesen und beim Wälzen der Parteiprogramme habe er mit der CDU die meisten Übereinstimmungen für sich entdeckt, so Pentz. In einem Selbstporträt beschreibt er den ersten Kontakt mit der Union wie folgt: „. . . in der Schule, als wir über Bildung diskutiert haben und zwei meiner damaligen Lehrer mich davon überzeugen wollten, dass die PDS/Linke die richtige Politik macht“.

Auch auf seinem neuen Posten ist Zahlenverständnis förderlich. Er ist in der Hessen-Union nämlich gleichzeitig Generalsekretär und Landesgeschäftsführer mit Sitz im Alfred-Dregger-Haus in Wiesbaden. „Ich mache die Bilanzen genauso für uns, wie eine politische Rede oder einen Zwischenruf im Plenum“, lautet Pentz’ Kurzbeschreibung seines Tuns. Der klassische „GS“ also, so das Kürzel im Politsprech: den Parteichef unterstützen, Wahlkämpfe und Parteitage organisieren, Mitglieder werben, Strategien planen und die CDU-Verbände über alle Hierarchieebenen hinweg koordinieren.

Auch mal zuspitzen

Auch mal auf Angriff schalten, zuspitzen, das sei normal für einen Generalsekretär, so Pentz, „die Leute wollen sehen, was trennt die denn noch?“. Kann das denn der freundlich und höflich auftretende Manfred Pentz? „Ich kann auch austeilen“, hat er vorsorglich schon mal in einem Interview klargestellt. Aber Eskalation um der Eskalation willen sei seine Sache nicht. Pentz’ harte Seite hat bislang vor allem der SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel erlebt, den Pentz im Plenum die „beleidigtste Leberwurst Hessens“ nannte.

Mit dem Dreh, den früheren Erzfeind als neuen Koalitionspartner zu haben, ist Pentz mit sich völlig im Reinen. „Wir Jungen hatten keine Berührungsängste mit den Grünen“, erinnert er sich. Und jetzt eine deutschlandweit beachtete Koalition aus CDU und Grünen ausgerechnet in Hessen, „das ist eine neue, tolle Herausforderung; mal Dinge denken, die wir bisher so nicht gedacht haben“.

Den Vorwurf vor allem aus dem konservativen Lager, die CDU sei zu sehr in die Mitte gerückt und vernachlässige den rechten Rand, will er so nicht gelten lassen: „Der Weg in die Mitte ist der richtige, je mehr wir nach rechts gehen, desto mehr verlieren wir in der Mitte!“ Bestätigt sieht sich Pentz mit seiner Politik durch Umfragen, die er in regelmäßigen Abständen unter vorwiegend CDU-Mitgliedern (80 Prozent) aber auch beigemischten „normalen“ Bürgen durchführen lässt. Er verweist auf die dimap-Befragung im Auftrag der Hessen-CDU vom Dezember, laut der 61 Prozent der Befragten „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“ mit der Arbeit der Landesregierung sind.

Eine jüngere, offenere Perspektive als mancher Altunionist hat Pentz auch beim Thema Zuwanderung, die er ausdrücklich als Chance für das Land sieht. Geprägt hat ihn in dieser Frage seine eigene Herkunft. Seine Mutter war als Gastarbeiterin aus Kroatien gekommen. Er sei folglich Halbkroate. „Das sieht man mir nicht an“, meint er grinsend mit Blick auf sein schütteres, hellbraunes Haupthaar. Sprachlich profitiert er auf jeden Fall davon. Er spricht Kroatisch, Italienisch (weil die mittlerweile verstorbene Mutter aus dem stark italienisch beeinflussten Landesteil Istrien stammte) und „ein wenig Russisch“.

Familienleben leidet

Die vielen Aufgaben kosten viel Zeit. Weit mehr als früher als Versicherungsangestellter oder als einfacher Landtagsabgeordneter. Der neue Spitzenjob habe eine komplette Umstellung seines Lebens bewirkt, sagt Pentz: „Frau und Kinder sehe ich leider seltener.“ Der 35-Jährige ist Vater eines dreijährigen Jungen und einer knapp einjährigen Tochter. Er lasse sich zumindest immer noch abends heimfahren.

Trotzdem, Generalsekretär zu sein „macht sehr viel Spaß, ich kann Politik wesentlich mitgestalten“. Sein Förderer Bouffier lasse ihm Freiraum, verzeihe Fehler und setze festes Vertrauen in ihn. So auch bei der anstehenden Großaufgabe, für die die Arbeiten schon begonnen haben: die Kommunalwahl im Frühjahr 2016. Pentz’ Ziel: „Die CDU muss wieder deutlich stärkste Partei in Hessen werden.“

So spricht ein Generalsekretär.

Quelle: Frankfurter Neue Presse

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag